Die Perimenopause als biografischer Übergang
Viele Frauen spüren in der Perimenopause, dass sich das eigene Erleben spürbar verschiebt. Konzentration, Belastbarkeit, Stimmung oder Selbstwahrnehmung verändern sich oft schleichend und ohne eindeutigen Auslöser. Vielleicht findest du dich auch in der Aussage wieder: „Ich bin nicht mehr ganz ich selbst“.
Die hormonellen Veränderungen in der Perimenopause wirken nicht nur auf deinen Körper, sondern auch auf deine emotionale Stabilität, deine Stressverarbeitung und dein Selbstbild. Was diese Phase besonders herausfordernd macht: Die Veränderungen sind real, aber nicht immer klar benennbar. Nach außen hin funktionierst du weiterhin, während sich innerlich ein Gefühl von Unstimmigkeit einstellt.
Dieses Gefühl wird häufig missverstanden – von außen, aber auch von dir selbst. Statt die Veränderungen als biografischen Übergang einzuordnen, interpretierst du sie als persönliches Versagen, als mangelnde Resilienz oder als individuelles Problem.
Dabei handelt es sich in vielen Fällen um eine Neujustierung. Innere Maßstäbe, Bedürfnisse und Grenzen verschieben sich. Erwartungen, die lange tragfähig waren, verlieren an Passung. Das kann dich irritieren, verunsichern und müde machen - ist aber kein Zeichen dafür, dass etwas bei dir „falsch läuft“.
Übergangsphasen wie diese lassen sich nicht beschleunigen oder eindeutig lösen. Sie erfordern eher eine veränderte Haltung: weniger Selbstoptimierung, mehr Beobachtung; weniger Druck, mehr Differenzierung. Nicht jede Irritation verlangt nach einer Entscheidung. Manche verlangt zunächst nach Anerkennung.
Dich selbst in dieser Phase ernst zu nehmen, ist kein Rückzug, sondern eine Form von Orientierung.
Herzliche Grüße