Rollenbilder – und was sie mit deinem Selbstwert machen

Der eigene Selbstwert ist für viele Frauen über lange Zeit eng mit bestimmten Rollenbildern verbunden. Anerkennung entsteht durch Verlässlichkeit, Leistungsfähigkeit, Fürsorge oder Anpassung. Wer diese Erwartungen erfüllt, erfährt Bestätigung - von außen und oft auch von sich selbst.

Diese Verbindung wirkt stabil, solange die Rollen tragfähig sind. In der Lebensmitte, und häufig verstärkt in der Perimenopause, gerät sie jedoch ins Wanken. Nicht nur, weil sich körperliche oder psychische Ressourcen verändern, sondern weil die innere Bereitschaft sinkt, sich dauerhaft über diese Rollen zu definieren.

Was dann irritiert, ist weniger der Rollenwandel selbst als seine Auswirkung auf den Selbstwert. Wenn gewohnte Beiträge nicht mehr im gleichen Maß geleistet werden können oder wollen, entsteht schnell ein inneres Vakuum. Fragen tauchen auf wie: Was bleibt von mir, wenn ich weniger leiste? Wenn ich weniger verfügbar bin? Wenn ich Erwartungen nicht mehr selbstverständlich erfülle?

Rollenbilder wirken hier oft unbemerkt weiter. Sie sind tief verankert und kulturell verstärkt. Der eigene Wert wird weiterhin an Funktionalität und Nutzen gekoppelt - selbst dann, wenn diese Maßstäbe innerlich nicht mehr stimmig sind.

In dieser Phase entsteht leicht Selbstabwertung. Veränderungen werden als persönliches Defizit interpretiert, nicht als Hinweis darauf, dass sich innere Prioritäten verschieben. Dabei ist genau das häufig der Fall: Der Selbstwert sucht nach einer weniger bedingten Grundlage.

Dieser Prozess ist selten klar oder linear. Er fordert keine schnelle Antwort, sondern Differenzierung. Nicht jede Infragestellung des bisherigen Selbstbildes ist ein Verlust. Manches ist eine notwendige Korrektur.

Vielleicht geht es in dieser Lebensphase weniger darum, neue Rollenbilder zu finden, als den eigenen Wert nicht länger ausschließlich an Rollen zu binden.

Herzliche Grüße

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Die Perimenopause als biografischer Übergang